Hammer der Woche: Was mich in meiner Branche aufregt

Ich bin gerne Coach. Ich möchte aus ehrlichem Herzen heraus Menschen helfen, die sich persönlich weiterentwickeln wollen. Aber ich bin kein Wunderheiler und ich kann nicht zaubern.

 

 

In den letzten Wochen habe ich mich intensiv mit Online- Marketing befasst. Ist wichtig, man will ja schließlich gefunden werden. Was sich da aber im Internet abspielt, macht mich richtig wütend. Werbeanzeigen werden so manipulativ verfasst, den Menschen werden Versprechen gegeben, die ich für absurd halte. Es wird so mit der Angst der Menschen gespielt. Und jeder, der so eine Werbeanzeige verfasst, hat die passende Lösung parat.  In sieben Tagen zum sechsstelligen Umsatz mit Online-Kursen usw. Das regt mich richtig auf. Warum wird versucht aus der Existenzangst der Menschen noch Profit zu schlagen? Warum werden die Ängste und Befürchtungen von Menschen gerade in so einer unsicheren Zeit ausgenutzt?

 

 

Natürlich könnte ich solche Anzeigen einfach wegklicken und mich nicht darüber aufregen. Das Problem ist nur, dass ich auch darauf angewiesen bin, Werbung für meine Kurse und Coachings über das Internet zu bewerben.  Wenn ich da nicht entsprechende Keywords und Überschriften wähle, werde ich schlichtweg nicht gefunden. Reichweite baut sich nicht von allein auf. Ich bin in einem Dilemma. Ich möchte auch Reichweite aufbauen und meine Online- Produkte verkaufen, aber ich will dabei ehrlich bleiben und den Leuten nicht das blaue vom Himmel erzählen.

 

 

Als Coach kann man meines Erachtens nach keine Prognosen erstellen, wie das Coaching den Betroffenen verändert. Es ist die Arbeit des Coachees, die angestoßenen Prozesse zu trainieren bis sie einigermaßen funktionieren. Der Coach gibt Denkanstöße, richtet einen Perspektivwechsel ein. Aber die eigentliche Arbeit liegt beim Coachee.  Wenn ich jetzt nun nicht in sieben Tagen meine Umsätze in den sechsstelligen Bereich katapultieren kann, fühle ich mich als Versager. Mein eigentliches Problem wird dann also noch größer. Irgendetwas mache ich doch dann falsch? Die vielen Beispiele in den Kommentaren zeigen mir, dass ich es nicht richtig mache. Die anderen sind viel weiter als ich, sie berichten schon von großen Erfolgen, die sich bei mir einfach nicht einstellen. Also bin ich das Problem.

 

Ich glaube, deshalb haben diese Leute ein sechsstelliges Einkommen im Monat. Weil sie die Angst der Menschen vor dem Versagen ausnutzen. Mit Ehrlichkeit hat das nichts zu tun.

 

 

Ich backe dann lieber zukünftig kleine Brötchen. Dabei verliere ich wenigstens nicht mein Gesicht. Die Zeiten sind hart, für Coaches aber auch für alle, die jetzt zwar dringend Hilfe brauchen, sich die aber nicht leisten können. Wenn dir aber suggeriert wird, dass du die Zeit nutzen musst, dass du jetzt etwas an deiner Situation ändern musst, dass es ein Fehler wäre, zu warten, bis es dir finanziell und psychisch besser geht, dann ist der Mensch geneigt zu investieren. Er investiert nicht nur sein letztes Geld sondern auch seine psychische Verfassung. Klappt der angekündigte Erfolg nicht so, ist er hinterher noch schlechter dran als vorher.

 

 

Wenn das Online- Marketing ist, will ich das nicht. Dann versuche ich es lieber auf dem klassischen Weg. Entweder ich werde gebucht, weil ich gut bin oder eben nicht.

 

 

Das musste ich heute mal loswerden. Wer mich kennt weiß, dass ich manchmal grummeln muss. Meine Herangehensweise ist eben eine andere. Ich verspreche nicht, dass ich das Ei des Kolumbus gefunden habe. Das was ich anbiete, habe ich in der Regel selbst ausprobiert. Ich weiß also, dass es funktionieren kann. Und ich weiß auch, dass Persönlichkeitsveränderung ein langer Prozess ist, der mit sehr viel Selbstdisziplin und Anstrengungsbereitschaft verbunden ist. Ein achtwöchiger Online- Kurs kann daher die Welt nicht verändern. Er kann nur ein Anstoß sein für einen langen intensiven Prozess, der daraus entsteht. Hier möchte ich als Coach aber meinen Klienten als Ansprechpartner zur Verfügung stehen und zwar sehr individuell und nicht in einer Facebook- Gruppe.

 

 

Das musste heute mal gesagt werden. 

 

 

 

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